Kurzgeschichten

Alfi der Elf

Eine kühle Brise durchzog die Bäume des alten Waldes. Die Vögel hatten sich schon längst in ihre Nester zurückgezogen. Unter einer alten Zaubereiche lag eine kleine zusammengerollte Gestalt.
Die Blätter dieser alten Eiche rollten sich bei Dunkelheit zusammen und erzeugten eine wohlige Wärme. Eylin zitterte dennoch. Sie war erschöpft und hatte die Orientierung verloren. Der Wald war schon bei Tag ein Irrgarten aber in der Nacht konnte man kaum seine eigene Hand sehen.
Um sich nicht noch weiter zu verirren, beschloss sie bei dem wärmenden Baum zu bleiben. In ihrem Kopf schwirrten die Gedanken, zur Beruhigung fing sie an leise vor sich hin zu singen: „Meine Angst ist klein, ich möchte wieder zu Hause sein.“

Nicht weit entfernt von der alten Zaubereiche, warf sich ein schlafloser Elf unruhig von einer Seite auf die Andere. Alfi sollte sein Bett unbedingt wieder mit neuem Moos auskleiden. Das alte war ja schon vollkommen durch gelegen. Er überlegte wo er eine geeignete Stelle zum Sammeln finden könne als ein leiser, gleichmäßiger Gesang seine Aufmerksamkeit erregte. Er lauschte angestrengt in die dunkle Nacht. So eine Stimme hatte er noch nie gehört. Seine Neugier war geweckt um dem Geräusche auf die Spur zu kommen. Alfi machte sich auf den Weg.

Das Rascheln des hohen Grases machte das Laufen und gleichzeitige Hören fast unmöglich. Alle paar Schritte hielt er inne und spitzte seine Elfenohren. Kein Zweifel, der Gesang kam immer näher. Hinter einem Baumstumpf ganz in der Nähe der Geräusche blieb er stehen.
Er betrachtete die Gestalte mit großen Augen. So nah war er einem von ihnen noch nie gekommen. Sie war riesig und das obwohl es sie so zusammengekauert saß. Sie war ganz ruhig und sang vor sich hin. Der Gesang klang so traurig, dass sich Alfi fast sicher war, dass von diesem relativ kleinen Wesen keine große Gefahr ausgehen konnte.
Trotzdem, es war Vorsicht geboten, das wusste er. Die alten Elfen erzählten immer wieder die schaurigsten Geschichten von diesen Menschen. Sie würden in den Wald kommen nur um ihn zu zerstören aber am schlimmsten war es, dass sie manchmal Elfen verschleppen sollten.

So gefährlich sieht dieser Mensch gar nicht aus, dachte sich Alfi. Gut, er ist über einen Meter größer als er selbst.
Alfi ist noch nicht komplett ausgewachsen und mit seinen 10 cm Körpergröße noch in der Elfen-Wachstumsphase. Jetzt wünschte er sich, er hätte vor seinem Aufbruch noch seine normale lila Latzhose angezogen und wäre nicht Hals über Kopf in seinen Schlafsachen los. In der Latzhose würde er auch gleich wesentlich größer wirken.
Er betrachtete die roten, zu Zöpfen geflochtenen Haare des Mädchens. Ihre Augen hatte sie zusammengekniffen und wiegte sich beim Singen immer wieder vor uns zurück. Ihre Hose war an den Knien löchrig und ihre Schuhe waren verdreckt. Eine echte Gefahr konnte Alfi nicht erkennen. Sein Bauchgefühl sagte ihm, dass dieses Wesen seine Hilfe benötigte. Er nahm all seinen Mut zusammen und trat hinter dem Baumstamm hervor.
„Hallo?!“ sagt er so zaghaft, dass ihn Eylin ihn gar nicht wahr nahm. Alfi räusperte und sprach noch etwas kräftiger. „Hallo!!“ Das Mädchen blickte erstaunt auf die kleine grüne Gestalt die da vor ihr stand. Im Schlafanzug.

„Brauchst du Hilfe?“ hörte sie die Worte aus seinem kleinen Mund hervorkommen.

Eylin hatte schon von Elfen gehört, aber sie konnte sich kaum vorstellen, dass die Geschichten wirklich stimmen. Sie war sich sicher ihre Großmutter hatte sie ihr nur erzählt um sie zu unterhalten. Es heißt Menschen und Elfen würden, wenn sie sich begegnen und das kam sehr selten vor, von einem Band der Freundschaft verbunden. Menschen sollen Elfen nur dann sehen können wenn sie ein reines Herz besitzen. Sollten die beiden Freundschaft schließen, würde diese ein Leben lang andauern.

Eylin starrte den Elfen eine ganze Weile mit offenem Mund an. Sie hatte keine Angst, denn sie wusste, dass Elfen den Menschen nichts Böses tun.

„Hallo, ich bin Eylin.“ brachte sie schließlich stotternd hervor.

Alfi starrte sie wie gebannt an. Ihre Stimme war so lieblich und rein. Er fühlte sich augenblicklich von ihr angezogen. Diese Vorstellung gefiel ihm, er wollte sich gerade weiter auf sie zubewegen, als ihm die warnende Stimme seines Vaters in den Kopf kam. `Menschen sind gefährlich, trügerisch und hinterhältig! `
In diesem Moment machte er einen Satz zurück. Er war sich sicher, dass musste ein Trick sein. Dieser Mensch wolle ihn täuschen und gefangen nehmen.
Aber warum eigentlich? Alfi kam es vor als könne sie direkt in sein Herz blicken.

„Ist das ein Trick?“ fragte Alfi.

„Was denn für ein Trick?“ entgegnete ihm Eylin verwirrt.

„Du willst mich gefangen nehmen und und…“ Alfi wusste nicht genau was mit gefangenen Elfen geschah. Es konnte allerdings nichts Gutes sein.

Bevor er weiter nachdachte, unterbrach Eylin seine Gedanken: „Gefangen nehmen? Aber warum sollte ich das tun? Ich habe mich verlaufen und finde den Weg nach Hause in der Dunkelheit nicht.“

„Warum bist du denn überhaupt hier draußen wenn es dunkel ist?“ fragte der Elf spitzbübisch und mit gebotenem Abstand.

„Ich habe gehört wie sich meine Eltern gestritten haben und meine Mutter sagte wir müssten umziehen, weil sie eine neue Arbeit gefunden hat. Ich will aber nicht weg von hier. Ich dachte mir, wenn ich nicht da bin können sie auch nicht einfach umziehen.“ beantwortet Eylin seine Frage.

Alfi überlegte ob er der Geschichte trauen konnte. Aber dieses Wesen, dieser Mensch sah so traurig und unglücklich aus. Er konnte sich nicht vorstellen, dass das nur ein Trick sein sollte um ihn gefangen zu nehmen.

Die Stimme aus seinem Inneren meldete sich wieder und versicherte ihm keine Angst zu haben und zu vertrauen. Er ging einen Schritt auf Eylin zu uns reichte ihr seine Hand. „Ich mit Alfons.“

Mit einem Lächeln erwiderte Eylin seinen Gruß, stellte sich vor und drückte leicht seine Hand. Im Moment der Berührung durchströmte eine angenehme Wärme ihren Körper. Jeder Muskel war von einer tiefen Entspannung durchzogen und sie fühlte sich sicher und geborgen. In diesem Augenblick spürte auch der Elf spürte wie ein Band des Vertrauens entstand.

Alfi ließ seine Angst los. Er wollte diesem Menschenmädchen helfen und sie beschützen.
Er trat noch näher an Eylin heran, setzte sich neben sie.

„Ich kann dich aus dem Wald zu deinen Eltern führen. Sie machen sich bestimmt schon Sorgen um dich und sind auf der Suche nach dir.

Weißt du, wegrennen ist keine Lösung, damit wirst du nichts erreichen können. Lass mich dich begleiten.“

„Aber was ist wenn ich von hier wegziehen muss? Ich habe Angst. “ erwiderte Eylin.

„Du weißt nie genau was das Leben für dich bereit hält. Bestimmt hast du jetzt Angst uns bist verwirrt. Was die Zukunft für uns bereit hält, weiß keiner so genau. Vielleicht wird es sehr schön, wenn du dich darauf einlässt. Sei mutig, ich begleite dich.“

Eylin war klar, dass sie sich nicht ewig verstecken konnte. Womöglich hatte Alfons recht. Sie konnte sich vorher auch nicht vorstellen einem Elfen zu begegnen. Trotzdem saß nun einer einfach neben ihr. Dieses Glücksgefühl gab ihr wieder Mut. Die Dinge werden sich zum Besseren wenden.

„Alfons?!“ begann Eylin „Ich glaube du hast recht. Das ich dich treffen würde, war vorher auch undenkbar. Ich habe nie an die Geschichten meiner Großmutter geglaubt.“

„Was den für Geschichten?“ fragte Alfons neugierig und ergänzte „Du kannst mich gerne Alfi nennen.“

Eylin erzählte ihm was sie von ihrer Urgroßmutter erfahren hatte.

„Also ein magischer Zauber der zwei Wesen in Freundschaft verbindet.“ fasste Alfi das gehörte zusammen. „Wie soll das denn funktionieren?“

„Das weiß ich auch nicht, deshalb ist er ja magisch. Aber es heißt, ein Mensch der einen Elf überhaupt sehen kann wird mit ihm immer verbunden bleiben.

Und das beide eine tiefe wahre Freundschaft verbindet.“

„Ist es das was ich in meinem inneren fühle?“

„Du meinst dieses vertraute Gefühl im Bauch?“ Alfi nickte und fasste sich auf seinen runden Bauch. Eylin sprach weiter „Ja, ich fühle es auch. Es ist ganz warm, als würde sich warmer Honig im Bauch befinden. “

„Deshalb habe ich auch keine Angst vor dir. Ich fühle mich bei dir sehr wohl.“ Mit diesen Worten schmiegte sich Alfi enger an Eylin. Er genoss dieses Gefühl von Verbundenheit in vollen Zügen. Nachdem er sich aufgetankt hatte richtete er sich in voller Größe auf. „Jetzt lass uns dich erst einmal aus dem dunklen Wald nach Hause bringen.“

Eylin stand auf, streckte sich einmal und folgte dem Elf durch den dunklen Wald.

Ihr fiel auf wie schnell er sich bewegen konnte. Obwohl sie die längeren Beine hatte, huschte er von einem Stein, auf einen Baum, über eine Wurzel und war dadurch genau so schnell wie sie. Als die Beiden in die Nähe des Hauses kamen, hörten sie schon die lauten und besorgten Rufe ihrer Eltern.

Eylin überfiel sofort ein schlechtes Gewissen. Sie hatte gar nicht an die Gefühle der anderen gedacht, so sehr hatte sie die Angst im Griff.

Sie wandte den Kopf zu Alfi und sagte: „Ich möchte dir danken. Du hast auf deinen Bauch gehört und dich nicht von deiner Angst einnehmen lassen. Du hast sie überwunden, mir geholfen und uns beiden ein wahres Geschenk gemacht. Ich danke dir für deine Freundschaft.“

Sie gab Alfi einen leichten Kuss auf die Wange. Ihre Geste und Worte erfüllte ihn mit Stolz und Freude. Wieder überkam ihn dieses wohlige Gefühl.
„Ich bin mir sicher, es wird alles gut werden. Hab keine Angst, ich bin für dich da und bleibe an deiner Seite.“

Die Autorin

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